Herausforderungen für Planung und Politik
Für Planung und Politik besteht die Herausforderung darin, traditionelle Raumbilder („das Dorf“, „die Stadt“) sowie die Beschränkung auf eine partikulare und singuläre Gestaltung (Objekte, Plätze, historische Kerne, Teilräume) zu überwinden und aktuelle raumstrukturelle Muster und Dynamiken zu berücksichtigen.
Eine besonderes Thema stellt dabei der Umbau und die Neunutzung bestehender räumlicher und baulicher Strukturen dar: von der Nutzung innerstädtischen Brachflächen bis zur Neugestaltung und Nutzung von baulichen Strukturen in Stadt-Umland-Gebieten.
In der internationalen Diskussion werden „Öffentlicher Raum“ und „Landschaftsplanung“ als strategische Ansatzpunkte für die Steuerung und Gestaltung von Räumen gewertet. Die Entwicklung von Raumstrukturen kann über die Gestaltung von öffentlichen Räumen mit beeinflusst werden. In interkommunalen Planungsprojekten auf stadt:regionaler Ebene werden Landschaftsachsen zur gemeinsamen Gestaltungsaufgabe und zum Identitätspotenzial für die Entwicklung eines gemeinsamen stadt:regionalen Raumes.
Auf der Suche nach zukunftsweisenden qualitativen Orientierungskriterien und Indikatoren für Raumplanung und Stadtentwicklung regen wir als zentrale Kategorien „Ortsqualität“ und „Raumwohlstand“ an: Sie umfassen sowohl die Gestaltung (privater) Innenräume als auch die Gestaltung öffentlicher (Außen)Räume und damit verbundener ökologischer und sozialer Potenziale (Ruhe, Begegnung, Versorgung). Neue Planungskultur und neue politische Räume schaffen
Planung und Politik sind gefordert, eine Perspektive der Plan- und Steuerbarkeit von Raum- und Stadtentwicklung auf der Grundlage komplexer Rahmenbedingungen zu gewinnen. Dazu zählt zum Beispiel die Wahrnehmung der Mehrdimensionalität von Bezugsebenen (Objekt, Stadtteil/Ort und Kontext) und die Auseinandersetzung mit Strukturen, Dynamiken und Wechselbeziehungen, die Räume und räumliches Verhalten prägen.
Integrierte und an Nachhaltigkeit orientierte Planung kann dazu beitragen, Fehlentwicklungen mit langfristigen Folgewirkungen wie zum Beispiel Zersiedelung und erhöhte Infrastrukturkosten, Siedlungen ohne ÖPNV-Anschluss zu vermeiden.
Qualitative Planung von Infrastruktur- und Versorgungsangeboten meint vorrangig die Orientierung an Zielgruppen und deren Bedürfnissen bei der Angebotsentwicklung. Diese Orientierung erfordert die Einführung beteiligungsorientierter sozialräumlicher Planungsinstrumente und –methoden auf Quartiers-, Orts- oder Stadtteilebene.
Partizipation bildet ein zwar bekanntes, aber nach wie vor wenig umgesetztes Kriterium für Planungsprozesse. Die aktive Beteiligung von Zielgruppen hilft jedoch, die Beschränkung auf den „ExpertInnenblick“ zu überwinden und ermöglicht eine differenziertere Wahrnehmung von geschlechts- oder altersspezifischen Bedarfslagen und Rahmenbedingungen. Partizipation verbessert die Qualität von Planungsprozessen und -ergebnissen.
Planung, verstanden als Kommunikationsprozess zwischen verschiedensten beteiligten und betroffenen Akteuren, löst ein „traditionelles“ Planungs- und auch Politikverständnis ab, dass von expertenhaften und eindimensionalen „hoheitlichen“ Top-Down-Entscheidungen geprägt ist. Planung als Kommunikationsprozess heißt: Verschiedene Akteure, Anspruchs- und Interessengruppen erarbeiten gemeinsame Vorstellungen und Bilder, verhandeln über Prioritäten und Maßnahmen und geben Feedback zu Ergebnissen von Planung. Planung als Kommunikationsprozess kann eine Basis schaffen, die alle Beteiligten motiviert. Gleichzeitig stellen gelungene Planungsprozesse auch Lernprozesse für alle Beteiligten dar: wenn „eigene“ Vorstellungen relativiert werden und die Vielfalt und Komplexität von Ansprüchen, Bedarfslagen und Interessen deutlicher spürbar wird. Stadt:Region als Planungsraum Die Interdependenz und Dynamik von Stadt:Regionen erfordert es, lokale und sektorale Planung durch die Schaffung eines übergreifenden Planungsraumes zu ergänzen.
Die Entwicklung von Stadt:Regionen hängt von ihrer Fähigkeit zur freiwilligen Koordination und Kooperation zwischen relevanten Akteuren ab. Die „strategische Steuerungsfähigkeit“ von Stadt:Regionen wird als wesentlicher Faktor im Standortwettbewerb gesehen. Dafür sind geeignete Strukturen, Instrumente und Verfahren erforderlich. Dafür gibt es internationale Beispiele und Erfahrungen. Dabei wird deutlich, dass ohne eine entsprechende (demokratisch legitimierte) politische Handlungs- und Entscheidungsebene Stadt:Regionen ihre gemeinsamen Herausforderungen nicht bewältigen können.
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